Der Zauberer der Zeit

Jeder von uns hat Höhen und Tiefen im Leben. Jeder von uns hat seine Art und Weise damit umzugehen. Jeder von uns hat seine Zeit die stehen bleibt und zum richtigen Zeitpunkt weiter tickt.

Was bringt uns also dazu, unsere Prinzipien für eine bestimmte Zeit über Bord zu werfen und in einen Zauber einzutauchen, dessen Ende ungewiss ist und vor allem was erleben wir auf diesen Abwegen?

Wir treffen auf Abwegen nämlich auf Erfahrungen und auf ein Leben, welches unser Leben überhaupt nicht spiegelt und trotzdem für jeden von uns einen Platz hat. Auf diesen Abwegen stellen müssen wir uns gegenüber unseren Schwächen und Ängsten entgegen stellen.

Beginnen wir am Anfang des Zaubers. Denn da gibt es meistens vom Schicksal einen Schlag der zu Boden wirft. Manchmal ist es ein leichter Schlag, oft aber auch ein verdammt harter. Der Zauber beginnt damit, das wir als Mensch versuchen unseren gefühlten Schmerz zu entgehen und zu heilen. Wie jede andere Verletztung auch.

Manche glauben, sich mit der Heilung inneren Schmerzes zu arrangieren sei eine schwäche oder man müsste noch härter, noch schwerer dagegen ankämpfen. Stattdessen sollten wir unseren Schmerzen zuhören? Oder einfach Ingonieren und hoffen das es nicht wieder einen ähnlichen Schlag vom Schicksal gibt? Vielleicht sollte man einfach ein gefühlsloser und kalter Menschen werden? Wer weiß, jeder hat da seinen eignen Weg.

Nach und Nach wirkt der Zauber seine Kraft, er schützt dich wie ein Kokon vor einem schweren Teil deines Schmerzes. Hier hast du die Chance deinem Schmerz zuzuhören und deinen Weg zurück zu finden. Lasse dich davon führen, was dich und deinen Geist heilt. Weder Alkohol, noch Drogen werden einem dabei helfen einen Weg zu finden. Das ist nur ein reiner Teufelskreis endlosen Schmerzes.

Du hörst deinem Schmerz zu, verstehst was dein Geist aktuell braucht. Es beginnt oft mit Ruhe und einem Zuhörer. Rede, höre zu und lerne. Schritt für Schritt kommst du deinem alten Ich entgegen, wahrscheinlich wirst du an deinem alten Ich vorbeilaufen und erkennst, dass das zuhören von deinem Schmerz und einem eigenen Zuhörer dir mehr Kraft gibt und deinen Schmerz abbaut.

Von Zeit zu Zeit lernst du dich nicht nur selbst besser kennen, sondern besitzt auch die Kraft mehr zu verkraften. Denn wir Menschen sind daran gewöhnt, Konfrontationen und Streitereien, Kritik und Meinungen aus dem Weg zu gehen. Dies gibt kein Gefühl von innerer Sicherheit, sondern baut nach und nach die eigene Entscheidungskraft ab.

Deswegen ! Niemals aufgeben, den Schmerz akzeptieren, kämpfen, sich aufbauen und den Weg zurück ins Leben finden. Vielleicht wird es dann auch ein besseres sein.

Ein weiter und schweigsamer Flug – mit einem schönem Ende

Ich sitze neulich im Turkish Airlines Flug TK1579, mit mir 600 weitere Passagiere deren Ziel von Istabul nach Frankfurt geht. Während ich dahin schaue und überlege was die nächsten Tage ansteht, fällt mir an den Menschen um mich sehr viel interessantes auf. Wir essen alle das gleiche essen, haben ungefähr das gleiche Gewicht von 30 Kilo im Gepäck und fliegen alle gemeinsam zum gleichen Flughafen. Während die einen Lesen, andere am Laptop sitzen oder am Interface einen Film schauen oder vielleicht die neuste Musik hören, spricht keiner mit dem anderen. Obwohl man der weit verbreiteten Meinung ist, einzigartige Begegnungen würden unserem Leben ihren Flair verleihen, spricht keiner.

Niemand möchte angesprochen werden, noch selbst sprechen. So wie ich, der gerne erzählen würde, aber aufgrund der Distanz zu den Menschen es nicht tut. Könnte es vielleicht unhöflich oder aufdringlich herüber kommen? Falsch!

Denn 3 Stunden Flug, mit dem gleichen Ziel und keiner spricht ein Wort? Welche Gesellschaft ist so spießig wie die eine schweigende Reisegesellschaft? Hauptsache jeder besitzt etwas an Material und Wert. Warum reden wir nicht über Ziele und Geschichten über die Zeit vor dem Flug oder über die Zeit die nach dem Flug kommt? Erfahrungen und Ideale auszutauschen oder Gemeinsamkeiten zu finden, was ist daran kontraproduktiv? Denn das müsste das Ziel einer Reise sein! Die Entwicklung der Menschen, Zeit mit Filmen zu verbringen statt sich mal um sich selbst zu kümmern ist schon lange vergessen. Schade, denn mit Gesprächen würde tatsächlich die Zeit wie im Fluge verfliegen. Man lacht und lernt.

Wohin ist die Zeit worüber man sich nooch unterhalten woher man kommt und gehen wird, die Empathie von uns und vor allem die Offenheit der Menschen liegen geblieben?

Wir sollten die Gesellschaft nicht am Stand der Technik sondern an der Geistigen Qualität messen, leider sinkt  die geistige Qualität während die der Technik stagniert und langsam steigtCem Keskin

Wie könnte ein angenehmer Flug in Gedanken aussehen?

Grüßt und lächelt, jeder Flug könnte der letzte sein. Zeigt doch den Menschen eure Offenheit. Stellt euch vor, spricht über die Zeit im Zielland und was danach kommt, denn im Endeffekt geht jeder durch die gleiche Tür und ein „auf Wiedersehen“ ist doch eines der schönsten Dinge die man nach einer schönen Begegnung sagen kann.

Sammelt Erfahrungen, lasst die Zeit vergehen. Denn alleine der Gedanke “man sieht die Menschen nicht noch einmal” ist ungerecht. Wir haben auf unserer Erde nur begrenzte Ressourcen, unsere Lebenszeit ist auch eingeschränkt, Menschen gibt es auch nicht unendlich. Hier klingen 3 Stunden nach einer kurzen Zeit, jedoch können sich diese 3 Stunden wie Kaugummi ziehen.

Eine Reise soll immer Lehren und ein Lächeln mit sich bringen. Wir können von Personen die uns auf dieser Reise begleiten was abschauen oder entwickeln. Ob eine Idee, eine Freundschaft oder vielleicht sogar eine Liebe? Nicht wahr? Dies sind doch schöne Gedanken:-) !

Hören wir auf, auf das Interface zu schauen, beginnen wir zu erzählen und lachen. Genießen eine einmalige Freundschaft und Erinnerungen für die Zukunft! Denn jede Begegnung macht uns reifer, weißer, ruhiger.

Wir denken an die Zeit zurück, denken daran das weitere 600 Personen im gleichen Flieger vielleicht einsam sind und jemanden zum zuhören benötigen.

Warum sollen wir nicht mal das reden lassen und zuhören? Wir gewinnen alle nur. Ob ein gutes Gefühl, ein Dankeschön oder Zuneigung.

Deswegen Musik aus, spricht und hört zu. Nutzt die Gelegenheit!

Während meines Flugs lernte ich Irma und Songül kennen. Irma hatte Angst am Notausgang zu sitzen. Sie fragte einige Leute, den Platz tauschen zu können. Keiner reagierte wirklich, ich habe zur gleichen Zeit an meinem Buch „Hayal Agaci“ gelesen und wir kamen ins Gespräch und ich bot ihr meinen Platz an. Songül war für eine Woche spontan in Istanbul ihre Freundin besuchen. Bei beiden war es die erste Reise nach Istanbul. Istanbul ist nicht wie New York, Berlin oder Shang Hai. Istanbul besitzt eine unverkennbare Schönheit, eine Hoffnung die nie erlischt und einen Hunger nach vielfältigen Zusammenkünften von Kulturen und Religionen.

Aleviten, Sunniten, orthodoxe Christen und Juden leben in Frieden und Harmonie zusammen. Klar wird jetzt jemand denken das, dass so nicht stimmen würde . Schaut euch einfach das Lächeln der Menschen an, mit welcher Ruhe alle durch die kleinen Gassen ziehen und Fotos über Fotos machen. Mal ein „Bitte könntest du mal ein Bild schießen“ „Danke“ und „Möchtest du auch Fotografiert werden“. Wir kommen alle so ins Gespräch. Man stellt sich vor und erzählt, wohin die Reise gehen wird und woher man kam. Denn so vergessen wir auch die Menschen nicht, die nur für einen Moment in unser Leben treten. Diesen Anker des Lebens nenne ich gerne Glück, gerade weil keiner von uns ohne ein Lächeln und Danke weiter geht und uns ein Gefühl des Menschlich sein gibt.

Zurück zu Irma und Songül, als ich mit beiden Sprach musste ich an die vielen Leute denken, mit denen ich erzählt, gelacht und das erste Mal einen türkischen Kaffee getrunken habe. Mit Irma habe ich meinen Platz gerne getauscht, Sie schlief entspannt und munter den halben Flug . Songül war deutlich älter als ich, mit ihr tauschte ich den nächsten Platz ebenfalls. Sie ging ans Fenster, ich in die Mitte.

Anfangs hat sie ihren Film geschaut, mittelalterlisch und kriegerisch. Ich hörte eine Spotify Playlist die ich für den Flug erstellt habe. Nach dem Essen kamen wir noch mehr ins Gespräch, woher man kommt, wohin man geht, wer auf wen in Deutschland wartet, über Familie und Beruf. Kurz vor der Landung gab es einiges zu lachen . Nach der Landung diskutierten wir über die Notwendigkeit und Diskriminierung durch die Business-Class. Unsere Einigkeit lag darin, dass die Economy abgeschafft und eine Business-Class für alle geben müsste. Gerecht und solidarisch. Politik? Politik!

Tiefsinnige Gespräche über das Leben und warum Menschen während den Flügen nie miteinander sprechen geben uns keine pauschale Lösung, sondern nur einen Weg für die Person mit der wir gerade sprechen. Geht auf die Menschen zu, lasst die Angst und Unsicherheit einen Fehler machen zu können vergessen werden. Seit einfach ein Mensch, kein Roboter der ein Interface bedient. Die rationalisieren schon genug Arbeitsplätze.

Eine Reise von 3 Stunden ging so schnell und schön zu Ende, weder Traurigkeit noch Trostlosigkeit hat uns drei begleitet. Denkt bei eurem nächsten Flug daran.